Montalba

Von Grevy Kunstraum Grevy!, geplante Ausstellung, Scholl Stiftung With 0 Kommentare
Zeichnungen von Rudolf A. Scholl

Scholls Zeichnungen sind nicht das Ergebnis eines statischen Beobachtens der Dinge, sondern der dynamischen Art und Weise seines Sehens. Denn er bildet nicht primär das unverändert Vorgefundene ab, sondern zeigt uns unmittelbar, was er im Vorhandenen erkennt: nicht den Sand, sondern die Figur im Sand. Nicht die Steine, sondern deren Gestalt. Es ist das begeisterte Erkennen und Sichtbarmachen des Besonderen im augenscheinlich Profanen, spielerisch, neugierig. Darin liegt die Kraft dieser Bilder. Durch sein Sehen beginnen Fassaden, Gegenstände, Sand, Felsen und Steine ihr zweites Gesicht zu zeigen. Wer in der Begegnung mit ihm einmal versucht hat, seinen Hinweisen auf versteckte Formen und Figuren zu folgen, wird verstehen, wie subtil und fantasievoll dieses Sehen ist. Scholls Sehen geht tiefer. Sein Sehen sucht – aus dem Sehen wird dann ein Schauen, ein Erschauen dessen, was vielleicht übersehen und unbeachtet geblieben wäre.
Dieses Schauen ermöglicht Scholl die Dinge ganz für sich selbst als das zu erkennen, als was sie sich ihm zeigen und sich die Dinge dadurch zu eigen zu machen: Womöglich erkennt im Augenblick nur er selber beim Spaziergang durch die Steinlandschaften oder auf überwachsenen Pfaden „seine“ Felsen und „seine“ Gesichter, aber dem Blick folgt der Kohlestift auf dem Papier - hochgradig gekonnt. Dann entwickeln die bis dahin unsichtbar gebliebenen Formen eine Eigendynamik: hier Bewegung, dort Ruhe... hier drängen die Formen nach außen, dort fallen sie einander zu und plötzlich dazwischen: Gesichter, Figuren, Tänzer, Sänger, Denker, Ströme und Schwärme – aus den Strukturen erwachsen und gebannt. Sicher gesetzte Linien, schattige und lichte Flächen. Gerade so eindeutig und gerade so reduziert, dass Abstraktion bei Scholl bedeutet: die wesenhafte Form finden! Aus Steinen werden Skulpturen. Aus den Rinnsalen des Wassers werden Bilder.
In Scholls Zeichnungen erkennen wir jedoch nicht nur „seine Steinskulpturen“ oder „seine Gesichter“, sondern eben auch einen Einblick in das ganz eigene Schauen und Zeichnen ihres Finders.
Maximilian Mißelbeck

Laufzeit vom 22.  April bis 14. Mai 2022

Termine*
Freitag     22. April    18-21 Uhr    Vernissage
Samstag 14. Mai      11-16 Uhr    Finissage

Öffnungszeiten*
Donnerstags und Freitags     15 bis 19 Uhr
Samstags 12 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung
info@grevy.org | +49 (0)172 73 20 515

*Aufgrund der neuen Corona-Regelungen für NRW stellen wir auf 2G beim Einlass zu Veranstaltungen und zu den regulären Öffnungszeiten um.

Donnerstag, 16. Dezember 2021