Auszüge aus 6 Zyklen 2014 bis 2018

Von Grevy Raymund Richter, Kunstraum Grevy!, Grevy-Ausstellung With 0 Kommentare

Ob als Maler, Zeichner, Grafiker oder Objektbildner – signifikant für Raymund Richter ist, dass er bevorzugt seriell arbeitet. So entstehen teils umfang-, stets aber aufschlussreiche Zyklen von Bildern, in denen er sein gewähltes Sujet unter verschiedenen Aspekten ausleuchtet und betrachtet, auf unterschiedliche Weise be- und verarbeitet. Er variiert sein jeweiliges Thema, improvisiert frei darüber und lässt so seine diversen, manchmal sogar divergenten Facetten sichtbar werden. Dies gelingt ihm auf überzeugende, dabei immer wieder überraschende Weise, weil er sein künstlerisches Instrumentarium technisch virtuos zu handhaben versteht – von der kleinen, scheinbar leichthin formulierten Skizze bis hin zu den kraftvollen Arrangements seiner großen Formate.

Raymund Richter studierte in den 60er-Jahren an den Kölner Werkschulen Malerei und Grafik bei den Professoren Hussmann, Gerster und Will. Er war jahrzehntelang als Kreativer in der Werbebranche erfolgreich, lebte lange Zeit in Andalusien, stellte immer wieder vielbeachtet in Spanien und Deutschland aus – hier zum Beispiel 2009 im Belgischen Haus in Köln seinen großen Zyklus >Golden Clouds<.

Raymunds Richters Ausstellung im Kunstraum Grevy in der Kölner Südstadt zeigt vorrangig Beispiele aus sechs seiner Bilderzyklen der vergangenen Jahre. Die Ausstellung läuft vom 16. bis 29. November 2018.

Öffnungszeiten und Vernissage

Ausstellung läuft vom 16. bis 29. November 2018

Öffnungszeiten mit Anwesenheit des Künstlers

  • Vernissage: Fr. 16. & Sa. 17. November, jeweils von 18 bis 21 Uhr
  • So. 18. November 15-20 Uhr
  • Di. 27. & Mi. 28. November jeweils 15-18 Uhr
  • Finissage: Do. 29. November 17 bis 21 Uhr

und nach Vereinbarung (Mobil 0172/73 20 515).

 

Die Zyklen

AUS DEM SACK–ZACK! - 2014

Sind die plumpen Sackgesichter etwa unsere Vettern? Brüder womöglich oder am Ende gar ... wir selbst? Tapfer und bis zum Blödsinn fröhlich ver- und eingesackt in ihrer Cocooning-Komfortzone aus Konformismus, Saturiertheit, Verdrängung und Ignoranz?

Schwer zu sagen. Genauer weiß es wohl allein ihr Schöpfer Raymund. Der rät uns allen jedenfalls dringend: Raus aus dem Sack – und zwar zack, zack!

Bild: Aus dem Sack–Zack! 2

 

 

DARK IMAGES - 2016/17

Eindeutig dunkel – bis hin zum Blauschwarz – sind jedenfalls die seltsamen Gesellen, die wir auf diesen Blättern in unübersichtlicher Gemengelage, schwer deutbarem Clinch unauflösbar miteinander verknäuelt, verknotet und verkrampft finden: Willfährige Opfer, gar Verursacher, zumindest Zeugen – und hier nun Sendboten eines neuen dunklen Zeitalters (als hätte es jemals ein anderes gegeben!), das sich heute – so schlecht wie vergeblich – als schöne neue Welt zu tarnen sucht?

Dem Betrachter obliegt es, womöglich Licht in die finstere Angelegenheit zu bringen …

Bild: Pilot Of The Univers

 

ENTPUPPUNG - 2016/17

Der Engerling wird zum Käfer, die Raupe zum Schmetterling. Weitere Metamorphosen allerdings ausgeschlossen!

Ein wenig anders verhält es sich beim Menschen: Auch nach dem Ende seiner Pubertät (als – in diesem Fall eher unruhiges – Äquivalent zur entomologischen Verpuppung) bleibt er meist lebenslang fähig, sich mehr oder weniger oft zu häuten. Sich, wie es heute gern heißt, selbst zu optimieren, gar neu zu erfinden – kurz: sich als werweißwer zu entpuppen.

Bild: Entpuppung – Die geliehene Zeit

HIMMELSLEITER - 2017/18

 Die Bibel schildert uns Jakobs Traum von der Himmelsleiter – ursprünglich eher Treppe, die von der Erde zu Gott in den Himmel hinaufführt, an der „göttliche Wesen“ auf- und niedersteigen.

Wohlgemerkt: auf und nieder!

Am Fuße solcher Leitern versammelt Raymund in diesem Zyklus seine so anonymen wie androgynen Figuren – alle etwas unschlüssig, erwartungsvoll fremdelnd, ein wenig ratlos wie einst Kluges Artisten in der Zirkuskuppel, doch nicht ganz ohne Zuversicht. Jedenfalls mit Gleichmut gesegnet, dem ja der Mut, zumindest den Buchstaben nach, durchaus innewohnt.

Bild: Himmelsleiter – Das Finale

 

SPIEGELBILDER - 2018

Nur auf den ersten flüchtigen Blick scheinen Raymunds Spiegelbilder symmetrisch. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass tatsächlich kein Quadratzentimeter beider Bildhälften mit seinem Gegenüber identisch ist. Eher gleichen sie einander wie Zwillinge. Eineiige oder zweieiige? Und welcher ist der Erstgeborene? In diesem Fall: Welche Seite ist wohl das „Original“, von dem der Spiegelbildner mittels individuell entwickelter Frottagetechnik zunächst einen Abdruck gewonnen, dann in weiterer aufwendiger Bearbeitung beides zum Gesamtbild verschmolzen hat?

Bild: Anthropos

 

EINGETÜTET - 2018

Man merkt schon: Hier ist die Rede von jenen „kultivierten“, hübsch hochnäsig designten Edelfräuleins von Tüten aus steifem Papier – nicht etwa von ihren billig bunten Stiefschwestern aus Plastik, die obendrein so unschön altern und als garstig zur Umwelt gelten.

Raymund, wie jeder Künstler zugleich Sammler von allerlei Dingen, hat irgendwann begonnen, solch noble Tüten aufzuheben. Sie unter künstlerischen Aspekten zu betrachten, ins Kalkül zu ziehen. Sie schließlich kurzerhand zum Zeichen- und Malgrund zu bestimmen, eben in Kunst zu verwandeln.

Bild: Tüte Art&Weise

Ausstellung von Raymund Richter
Donnerstag, 18. Oktober 2018